Sein Leben im Überblick



Zur Zeit sind viele verschiedene Bezeugungen an der Mumie vom Alpenhauptkamm dem Ötzi im Umlauf. Die grossen Fragen, die er demnach noch immer aufstellt, scheinen sich dennoch nicht zu beantworten. Von mir aus betrachtet ist das selbstverständlich. Ich möchte mit dieser Aufstellung meinen Beitrag zur Aufklärung seiner Lebensumstände leisten.

1. Die unterwartete Schwangerschaft in einer steinzeitlichen Gesetzgebung.
In den Stammesordnungen, in welche die Mumie vom Alpenhauptkamm hinein geboren wurde, gab es aussergewöhnliche Regeln um ein Kind zu bekommen. Es wurden immer nur Kinder anerkannt und damit gemeinschaftlich erzogen, wenn es daför auch Zeugungsveranstaltungen gab. Für unerwartete Kinder, für die ein Nachweis nicht gegeben war, gab es kein Erbarmen. Sie wurden in der Wildnis ausgesetzt und damit ihrem Schicksal öberlassen. Der Grund för diese erbarmungslose Gesetzgebung war das Dogma Reinheit. Das bedeutete, dass nur Paare einen Zeugungsauftrag bekamen, die im Reinheitsgebot den körperlichen Anforderungen genügten. Dieses Reinheitsgebot erfand sich über Jahrhunderte. In der Grundannahme, dadurch eine Überlebensgarantie zu ermöglichen, wurden Menschen gezeugt die im Kraftverhältnis soweit es erkennbar war, auch einer Garantie standhielten. Immer wieder gab es private erotische Affären, die nicht ohne Folgen blieben. Für diese Fälle gab es dann eben die Gesetzesordnungen. Auch der Mann aus dem Eis war ein Fehltritt seiner Mutter. Der musste sich aber aufgrund ihrer Persönlichkeit so regeln lassen, dass das Kind als einzige Ausnahme diese Stammesregel ausser Kraft setzten konnte. Seine Herkunft war sozusagen ein Plus im Minus. Zuvor unerwünscht aber nicht zu umgehen.

2. Der Preis für diese Unachtsamkeit.
Die einzige mögliche Umgehung dieser einseitigen Gesetzesordnung waren die damals üblichen Kupferwerte. Damit konnte man allen Eventualitäten aus dem Wege gehen. Sie waren in ihrer Wirkung ein moralisches Konzept, das nicht für alle Menschen zugänglich war. Es gab schon einige Personen die mit dem neuen Verstand „Gegenwert“ umgehen durften. Das waren die jungen Frauen, die hoch im Kurs dieses Gegenwärtigen Reichtums ihren Auftrag ausüben mussten. Es war soweit gekommen, dass fremde Männer aus dem Norden einen Gegenwert dafür abgaben wenn ihnen eine sexuelle Veranstaltung geboten wurde. Passierte das in grossen Gruppen konnte sich jede Dame einen Bonus verdienen und war damit aus der Stammesmoral entlastet. Da aber viele dieser sexuellen Veranstaltungen dazu führten, dass diese Frauen einen Kupferbonus horten konnten, waren auch die Stammesführer am neuen Gegenwert Kupfergeld interessiert. So kam es, dass dieses Kind einen Preis vorgab, den seine Mutter bezahlen durfte, um die erste und einzige Ausnahme von dem Dogma Reinheit zu leben.

3. Das Kind das im Stamm aufgenommen wurde.
In seinem Verstand haben sich zwei Kulturen vereinen müssen, eine Händlerenergie und die altehrwürdigen Stammesenergien, die über Jahrhunderte keine Erneuerung zugelassen hatten. Dadurch war in seinem Intellekt eine Erneuerung zu beobachten, die man immer beachten musste damit kein Schaden durch seine Andersartigkeit entstand. Es gab auch noch eine andere Gefahr. Er hatte die körperlichen Reinheitsmasse, die wiederum nur die Stammeselite auszeichnete. Da er aber kein Zeugnis bekommen konnte, weil er ja über den Fehltritt seiner Mutter gezeugt war, gab es viele Kontroversen um ihn. Er wurde zwar in der Gemeinschaftsmoral erzogen und konnte deshalb auch im Stamm mit versorgt werden aber nicht in die moralischen Zeugungsabkommen involviert werden. Das führte zu allerhand Streitigkeiten und zu einer notwendigen Ausgrenzung. Er wurde dementsprechend tätowiert. Es waren Strichcodes die ihn auszeichneten und alle Vorkommen in der Gegenwart definitiv erklären mussten. Die Strichcodes waren so verbindlich, dass er damit freien Zugang zu allen anderen Untergruppen des Stammes der Wasserläufer hatte. Das Kreuz auf seiner Haut war die genetische Zugehörigkeit Wasserläufer und deren Moral. Andere Strichgruppierungen stellten nur die Mutterzugehörigkeit fest. Das Zeugungsdatum hatte eine besondere Markierung. Es wurde dem 3. Neumond zugeordnet. Die Anordnung der Strichgruppen seiner Tätowierung gab den Hinweis seines persönlichen Standardwertes.

4. Der Anteil seiner Zeugung.
Allein durch den Anblick seiner Tätowierungen konnten die Stammesmitglieder den einzigartigen gesellschaftlichen Status erkennen. Somit lebte er immer in einer gewissen Abhängigkeit, die dieser soziale Status hervorbrachte. Damit diese immer währende Isolation im sozialen Gefüge der damaligen Gesetze ihn nicht soweit brachten das er zum Mörder seiner eigenen Gemeinde wurde, bekam er eine besondere Aufgabe, für die er geeignet schien. Er konnte für die fremden Händler die erotischen Feste organisieren. Seine Bezahlung war ein Gegenwert in Kupfergeräten. Dadurch wurde er der reichste Mensch in allen Stammesgruppierungen seiner Zeit, am Rheinufer angesiedelter Mitglieder der Wasserläufer.

5. Die Mutter seiner Gegenwart und ihre Möglichkeiten.
Die alte Zeit im Übergang zu neuen Erfahrungen im Schöpfungsplan der Erde, hatte eine gewaltige Kursstrukturierung zu erlauben. Die alten Gesetzesordnungen, nach denen sogar Jahrtausende geregelt wurden, kamen so schnell ins Wanken wie die Händler es den Menschen möglich machen konnten. Die Kupfergeräte hatten alle einen charismatischen Auftrag. Sie sollten Schutz und Geborgenheit ermöglichen. Bis ins kleinste Detail wurde damals Strafe verhängt um dadurch eine verträgliche Ordnung leben zu müssen. Diese ordentlichen Gesetze hatten keine Gnade abzugeben. Sogar eine Todesstrafe für einfache Vergehen gegen den Ordnungswahn wurden ausgeführt. Viele Kinder mussten wieder zurück in die Wildnis gegeben werden, damit die Stammesehre eine legitime Zeugung erhalten konnte. Die Weiblichkeit der Frauen dieser Zeit hatte einen gehobenen Sozialstatus, denn nur durch sie waren die zukünftigen moralischen Erwartungen gewährleistet. Die Reinheit an sich war als Begriff nicht vorhanden, aber in der Wiedergabe von Form und Grösse der Körper. Im Mittelpunkt standen die Geschlechtsmerkmale. Sie allein gaben in Grösse und Beschaffenheit die absolute Gewähr von Kraft.
Mütterliche Erfahrungen konnten nur wenige Frauen machen. In jeder Neumondphase wurden zeugungsfähige Partner zusammengeführt und mit dem Auftrag, ein Kind zu zeugen ausgestattet. Wem das gelang, der hatte eine grosse Ehre zu erwarten. In freier Natur gab es viele Gefahren, die man überleben musste. Die Kupfermagie kam deshalb zur rechten Zeit dazu um den Wiederspruch aufzulösen. Da es aber nicht so viele Kupfergeräte gab, wie man glaubte sie brauchen zu müssen, wurde eine Auswanderung in die Alpentäler vorgenommen. So kam die Mumie vom Alpenhauptkamm zu einem neuen sozialen Status. Er wurde zum Mittler zwischen Himmel und Erde ernannt.



Renate Spieckermann-Acquah