Der Mensch vom Kupferberg



Die Zeit nach seinem Tod

Es war die Zeit die wir heute Ostern nennen würden. In seiner Kultur wurde sie die Zeit des neuen Segenregens genannt. Das hatte die Bezugsqualität der Erneuerung im Jahr. Auf seiner Haut war nicht nur das Kreuz, sein Stammeslogo angegeben, dort stand auch der Geburtstag. Im damaligen Verständnis war der Zeugungstag der eigentliche Geburtstag. Da aber seine Mutter keine Anhaltspunkte geben wollte und auch nicht konnte, hatte er als Markierung den Austritt aus der Gebärmutter erhalten. Hätte seine Mutter die Wahrheit gesagt, wäre es ihr sehr schlecht ergangen. Die Ordnungsmoral des Stammes kannte für Zuwiderhandlungen der Verbote kein Erbarmen.

Um einen Nachweis der Stammeszugehörigkeit erbringen zu können, musste eine Markierung auf der Haut angebracht sein. Wer sie nicht vorzeigen konnte, weil er keine bekommen hatte, war immer ein ausgestossener Mensch ohne Achtung und Würde, sozusagen Freiwild und für jedermann verfügbar. Diese Verfügbarkeit hatte die allergrösste Erniedrigung der damaligen Zeit zur Folge. Diese Menschen mussten den Händlern dienen. Das bedeutete im allgemeinen Umgang Versklavung nach unserem Verständnis und dazu Folter oder auch Mord.

Seine Mutter hatte diesen Ausweg seiner Markierungen mit sehr viel Kupfermoral bezahlt. Es gab in den Stämmen am Rhein rauf und runter nur diese eine Ausnahmeregel. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir in der heutigen Zeit den Anspruch auf Erneuerung seines Lebensthemas respektieren und dazu aufarbeiten. Sein Habitus hatte jenseits der körperlichen Ausgangslage, wir nennen es Inkarnation, einen hochbrisanten Auftrag an die Stammesmitglieder erteilt.

Er war der König im Stamm. Er garantierte den Menschen die Versorgung und damit das überleben. Nur mit seinem Logo auf der Haut waren die Händler bereit in den Ebenen und Tälern am Alpenhauptkamm ihre Waren einzubringen. Aus diesem Grund war er so besonders im Schutz seines Stammes eingebunden und deshalb nahm man den Auftrag so ernst seine Ho-mu-mir-o-Absicht in die Tat umzusetzen. Regelrecht abhängig waren die Menschen dort von den Zubringerqualitäten der Handelswege. Im Alpenraum gab es wenig Möglichkeiten um eine Selbstversorgung in der gewohnten Qualität zu ermöglichen. Die Alpentäler waren noch unerschlossen. Riesige Bäume standen dort und unter Gestrüpp waren die wilden Tiere beheimatet, wie Bären oder auch Luchse. Sie wollten eben ihre Heimat behaupten. Es kam immer wieder zu Angriffen aus der Tierwelt. Von den Menschen die ausgezogen waren, um den Kupferberg zu erobern, kamen deshalb auch einige zu Tode. Nicht selten wurden auch Kinder Opfer der Tiere. Man hatte also sehr viel zu beachten, wenn man im Kupferberg den charismatischen Schutz erhalten wollte.


Das Vermächtnis

Einerseits stand seine Herkunft unter dem Makel den stammesrechtlichen Ordnungen nicht zu entsprechen, aber im Gegenzug war er derjenige, der die Händler immer wieder zur Kasse bringen konnte. In der neuen Umgebung, die so fremdartig und lebensfeindlich war, konnten sich stammesrechtliche Zeugungsrituale nicht ergeben. Selbst der Vollmond hatte in dieser Gegend eine andere Markierung als am Rhein. Das verunsicherte die Menschen in einer ungewöhnlichen Tragik. Es gab also kaum Nachwuchs und damit wurde die Stammeskultur fragwürdig. Um überhaupt überleben zu können, mussten die Händler den beschwerlichen Weg in die Alpentäler auf sich nehmen. Sie hatten überwiegend die gleichen körperlichen Merkmale wie der Mensch vom Kupferberg. Sie selbst konnten keinen Bogen ausführen und waren deshalb auf ihre Begleiter aus den Stammesverträgen angewiesen. Auch der Mann vom Kupferberg konnte den Bogen mit seinen Armen und Händen nicht entsprechend handhaben. Deshalb gab es für ihn die Ausnahme, seinen Bogen ungespannt mit sich zu führen. Gleichzeitig bekam er mit dieser Ausnahmeregelung das Recht auf Immunität in der Verabredung, dass auch Stammesmitglieder aus anderen Stämmen mit ihm keinen Konflikt über den Bogen austragen durften. Das war ein Hoheitsmandat nach unserer Vorstellung. Gewiss war es auch hinderlich diesen Bogen immer mit sich führen zu müssen. Er hatte ja auch noch die Füsse seines Vaters geerbt. Sie waren sehr gross und sehr empfindlich wenn sie über Steine und andere Erdgegebenheiten laufen mussten. Für ihn wurden ständig Schuhe angefertigt, die er ja auch bei sich hatte.


Die Wotavereinigung

Sie war eine Vereinigung menschlicher Intelligenz die sich im Verständnis mit einer Energie schützen durfte, die wir heute im allgemeinen Sprachgebrauch auch Satan nennen. Diese Männer, ganz selten kamen auch Frauen aus ihrer Zunft dazu, hatten eine makabere Angewohnheit um sich zu stimulieren. Sie waren alle vertraut mit Gewittern, Regen oder sogar Stürmen, die sie auf Geheiss eines Anführers immer aktivieren konnten. Der Sturmgott, sie nannten ihn Wota, war also der mächtigste Vertraute den es zu dieser Zeit gab. Die Menschen aus den Stämmen am Rhein waren aufgrund ihres kulturellen Verstehens auf die Vorhersagen im Wetterbild der Zukunft angewiesen um ihre Ernten im Sommer und Herbst stabil zu halten.

Nun waren aber die Händler aus England, oder heute Stonehenge, in der Lage diese willkürlichen Wetterbedingungen zu inszenieren. Das war natürlich eine Geheimwaffe, um Zutritt zu den Stammesgemeinschaften zu bekommen. Um diesem Klimaphänomen nicht so offen ausgeliefert zu sein, wurden die Händler vor Ort mit den vorhandenen Möglichkeiten wie Essen oder Bekleidung bedient. Es gab zwar immer mal wieder störende Einflussnahmen durch die Gewaltopfer, die diese Männer brauchten, um ihre Zeremonien auszuführen. Sie hatten alle ein Gewaltpotential im innersten Verständnis ihres Egos angestaut. Das konnte sich nur über Schmerzen entladen. Daher fürchteten die Gemeinschaften auch diese kuriosen Vorstellungen der Wotazunft in der Natur.

Aus unserer Sicht waren diese Männer allesamt Folterknechte, die ihrem Satan jeden Morgen bei Sonnenaufgang ein Opfer bringen mussten.Viele verstümmelte Frauen waren an ihre Seite gebunden und zogen die schweren Kupfergeräte auf den Karren durch die Wildnis. über Jahrtausende hatten die Männer ein Zuchtprogramm erdulden müssen, so dass sie in der damaligen Zeit den magischen Einfluss der göttlichen Membran im Aussen vorweisen konnten, das aber in einer ungewöhnlichen Art und Weise.

Ihre besonderen Körpermerkmale waren einerseits die Grösse. Sie waren immer länger als zwei Meter in ihrer Statur, hatten dafür aber keine besonders gut funktionierenden Gliedmassen. Ihre Arme und Beine, Hände und Füsse waren noch so starr wie vor Jahrtausenden, als ihre Vorfahren in England an Land kamen und die Insel unter Kontrolle brachten.

Die Ureinwohner der englischen Inseln waren kleinwüchsig in der Statur, aber auch ohne ein Sprachkonzept für die allgemeine Verständigung. Schrille Töne bei Gefahr und gutturale Schnalzlaute bei Wohlbefinden waren die einzigen äusseren Kommunikationsverbindungen. über viele Jahrtausende wurden die kleinen Frauen von den grossen Männern geschwängert. Die daraus entstandenen Kinder wurden so aussortiert, dass sich neue Merkmalsstrukturen ausformen konnten. Trotzdem gab es hin und wieder eine andere phänomenale Wirkung. Es kam noch vor das diese Menschen mit einem Drillingsauge, so nannte man das, ausgestattet waren. Diese Augenmuskulatur war in Höhe der oberen Stirn eingelagert und konnte bei Bedarf geöffnet oder geschlossen werden. Die meisten Händler waren unfähig diese Augenmuskulatur zu bewegen. Denn sie trugen vom kleinen Kind an einen Stirnbandschutz über dieses dritte Auge.

Man wusste aber auch, dass ihre Urväter damit allerhand Unheil anrichten konnten. Dieses zusätzliche Auge war zu den Zeiten der Urväter eine Waffe. Der Gebrauch hatte den Vorteil, dass man einen überblick über das gesamte Naturpanorama erhielt. Sie konnten dazu noch Tonlagen in den Umkreis bringen, welche dann Mensch und Tier in einen hypnotischen Zustand versetzten.

Aussergewöhnlich waren diese Menschen, weil sie sich in grossen Gruppen im Norden Europas angesiedelt hatten, als die letzte Eiszeit ihre angestammten Lebensräume für sie unbrauchbar machte. Damals kamen viele in grossen Ansammlungen über die arktischen Meere auf dem Landweg in den europäischen Mittelraum ums Leben. Sie konnten den Eismassen nicht standhalten und vielen dabei vor Erschöpfung einfach um und wurden im Eis konserviert. Im letzten Jahrhundert gab es immer mal wieder fossile überreste, die aber noch nicht im Prozess der heutigen Forschung eingebracht werden konnten. Damals war es unvorstellbar, dass es Menschen gegeben hat, die grösser als drei Meter gewachsen waren. Der Mann vom Kupferberg hatte einige Körpermerkmale aus der Erbmasse seines Vaters mit bekommen, so z.B. auch die Muskelmembran auf der Stirn. Er konnte sein Drillingsauge ohne weiteres öffnen und schliessen, aber der innere Sehkern war blind. Auch er trug ständig einen Stirnschutz, um sich vor Dreck oder Vogelfedern zu schützen, die eventuell diese Muskeleinheit schädigen konnten.

Weil es auch heute noch zu phantastisch wäre, so was voraus zu setzen, haben die untersuchenden Fakultäten diesen Muskelaufbau vielleicht als eine Stirnfalte eingeschätzt und deshalb wenig Aufmerksamkeit darauf gelenkt.

Wenn wir uns heute die Qual vorstellen, die ein Mann hat, der mit einer gekappten Eichel am Penis, dazu durch eine Unvorsichtigkeit auf dem langen Weg ins Alpenland fast erblind ist, und dazu noch mit diesen Händen, Armen und Beinen ausgestattet war, dann können wir uns vielleicht auch darüber wundern, dass seine Nachbildung ihn als fröhlichen bergerfahrenen Mann darstellt. Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Bericht eine Provokation für Menschen bedeutet, die sich mit seiner Person so weit auskennen wollten, wie es eben zurzeit möglich ist.


Der Ho-mu-mir-o

Für die Stammesgemeinschaft kam es durch diesen Mord zu erheblichen Unruhen. Der Täter wurde durch eine besondere Wahrheitsfindung ermittelt, in der er dann auch sein Geständnis ablegte. Diese Technik, einen Menschen der Wahrheit zu überführen, wurde nur sehr selten angewandt, hatte aber relevante Strafmassnahmen zur Verfügung, Es ging dabei um die Ermittlung des Todesschützen der sich ja im Ordnungsbild der Stammesmoral so weit von der Gemeinschaft entfernt hatte, dass ermittelt werden musste.

Dafür wurden alle Bogenschützen des Stammes aufgefordert, am überweg von Süd nach Nord den Vogelruf aufzunehmen, der von diesem Tatort schrill und aufgeregt von den Vögeln ausgesandt wurde. Die Vögel damals konnten die Menschen noch vor Gefahren warnen, die im Gebüsch auf sie zukommen konnten. Jeder Mensch, der sich in der Stammesgemeinschaft wohl fühlen durfte, hatte die Vogelstimmen zu lernen. Nicht nur um die Stimmen den Arten zu zuordnen sondern, auch um die Modulation selbst zu gestalten, so dass sich ein Dialog zwischen Mensch und Vogel ergab. Aussergewöhnlich war in diesem Fall, dass die Vögel sich an der Stelle, an der die Leiche gefunden wurde, schrill und aufgeregt aufführten. Hier hatten dann die vogelkundigen Menschen die Aufstellung vorzunehmen. Jeder Bogenschütze wurde einzeln unter dem Vogelbeweis vernommen. Für diese Tat gab es kein Erbarmen und derjenige, der dieses Fiasko angestellt hatte, wurde deshalb auch als überführt angesehen, wenn ihn die Vogelgemeinschaft definitiv beschuldigte, den ihnen vertrauten Mensch erschossen zu haben.

Heute können wir uns das nicht mehr vorstellen, damals waren diese übereinkünfte zwischen Mensch und Tier eine Regel, die man in der Wildnis beherrschen sollte. Natürlich hatte auch der Mensch vom Kupferberg dieses Schulungsprogramm absolviert. Deshalb konnte er auch ohne Schutz und ohne Begleitung in der Wildnis wochenlang überleben. Nachdem der Täter, es war der Anführer der Gemeinde, ermittelt war, begann sich das Denken der Gemeinschaft gegen diese Willkür aufzulehnen. Die Haut des Mannes wurde mit einem Code markiert, der ihn als Mörder auswies. Dafür hatten alle Stämme den gleichen Zeichenaufbau. Mit dieser Markierung konnte er nirgendwo Unterkunft erhalten. Diese Vorsichtsmassnahme war deshalb so wichtig, weil er ein eingemeindeter Händler war, dem man durchaus noch weitere aggressive übergriffe zutraute.

Am Wegesrand des Pfades der von Süd nach Nord über den Alpenhauptkamm führte, es gab nur den einen überweg, hatte sich eine Gelegenheit ergeben um ein Ruhelager einzurichten. Dafür musste der Bogen, gedacht für einen kurzen Augenblick, aus der Hand abgestellt werden. Diesen Moment nahm der Schütze wahr und schoss den schon länger gespannten Pfeil ab. Die überraschung, die sich für den Mann einstellte, sieht man noch an seiner Handhaltung. Die Finger einer Hand sind gekrümmt, als wenn er immer noch etwas festhalten wollte.

Im späteren Jahresverlauf, als die Mumifizierung schon eingesetzt hatte, kam die Gemeinde dann auch zu der Erkenntnis, dass ihm etwas Besonderes zustand damit seine Seele zur Ruhe kam und in Harmonie gebracht wurde.

Damit stellte man einen Ho-mu-mir-o auf, der sich erst in einer späteren Zeit erneuern konnte. Diese spätere Zeit konnte selbst der Mir-o, das war seine richtiger Name, im Zeitraffer nicht so genau überblicken. Er selbst begann mit diesem Prozess schon sehr viel früher, ganz besonders intensiv als es darum ging, dem Stamm Schaden zugefügt zu haben. Er verstand sein universelles Selbstbild so, dass es ein Sternensystem am Himmel gab, dem er entstammte. Mit dieser Logik verband er sich ständig und bat die Kräfte der sirianischen Bruderschaft sein Leben in die Zukunft zu bringen damit er den Prozess der Erneuerung aufnehmen und zum Abschluss bringen durfte. So lange wollte er auf dem Alpenhauptkamm warten und unter dem Eis darauf vertrauen, dass dieser Prozess gelang.

So habe auch ich meine Erfahrungen machen dürfen und war damit konfrontiert, dass sein Seelenverstand sich ganz plötzlich bei mir einfand und meine Aufmerksamkeit auf dieses steinzeitliche Phänomen lenkte. Es hat mich auch so fasziniert das ich es nicht beiseite schieben wollte ehe mir diese Offenbarung so verständlich wurde das ich damit umgehen konnte. Es kam dann zu diesem langen Schulungsprozess den ich täglich absolviert habe um heute, nach zwanzig Jahren, diese Wahrheiten in die öffentlichkeit zu bringen.

Es gab an diesem überweg von Süd nach Nord nur wenige Stellen, auf denen man sich ausruhen konnte. Dieser Auf- und Abstieg war eine anstrengende Angelegenheit, der für den Mir-o meistens sehr qualvoll war. Seine Hoden entzündeten sich schnell durch Schmutz und auch die vordere Penishaut hatte oft eitrige Blasen. Er brauchte alle Kraft damit er diesen Weg schaffen konnte. Durch sein schlechtes Augenlicht konnte er zwar noch hell und dunkel wahrnehmen, aber keine Situation oder Bilder differenzieren. Damit war er dem Schützen in gewisser Weise ausgeliefert.

Sein Tod hatte natürlich stammesrechtliche Folgen zu erwarten. Selbst nach der Ausweisung des Täters kamen die Menschen nicht zur Ruhe. Die Händler machten nach dem tragischen Vorfall einen Rückzug und die Versorgung blieb demgemäss fragwürdig. Selbst die Frauen, die über sexuelle Angebote immer den Gegenwert darstellten, hörten auf an die Kupfermagie zu glauben und stellten ihr Gewerbe ein.

Der Mir-o war der potentielle charismatische Held der Gegenwart und wurde so schändlich hinterrücks erschossen. Man begann die Logik der Kupfermaterie in Frage zu stellen und an zu zweifeln. Vor seinem Tod hatte er das auch schon von seinem Standpunkt getan. Später wollte man den Händlern seinen Kupferbestand zurückgeben um wenigstens die schlimmsten Versorgungslücken auszufüllen. Das aber lehnte die Wotagemeinde rigoros ab. Für sie hätte das ja auch eine Demaskierung bedeutet. Damit hätten sie ihren Einfluss in vielen Gemeinden am Rhein und anderswo verloren. Durch diesen Tod begann jetzt ein Umdenken und die strenge Moral der öffentlichen Gesetze weichte auf und wurden bald nicht mehr anerkannt. Die Gemeinschaft im Alpenland, sie hatten sich im nördlichen Raum, ungefähr im heutigen alten und neuen Vent, angesiedelt, hatte in den späteren hunderten von Jahren die allergrösste Mühe seinen Bestattungsauftrag auszuführen. Es gab tödliche Unfälle, die in Kauf genommen werden mussten weil ihre Stammesehre davon abhing, ob sich dieses Begräbnis zur vollsten Zufriedenheit ausführen lies. Es gab auch viele Angebote aus anderen Gemeinden die helfen wollten. Die wurden abgelehnt. Es war eben das persönliche Verständnis seines Stammes, diesem Menschen die nötige Ehrerbietung zu gewähren und sein Grab zu ermöglichen. Heute steht im alten Vent noch so etwas wie ein Sitz aus Steinen der damals für ihn erstellt wurde, damit er in der Gemeinde auch einen entsprechenden Königsstuhl erhielt.


Der Ho-mu-mir-o und sein Denkmal

Am Tage nach dem plötzlichen Mord wurde der Leichnam aufgefunden. Die Gemeinde hatte diese Information aus einem anderen Stamm erhalten. Er lag noch immer mit dem Gesicht auf dem Boden und aus seinem Schulterblatt ragte der Pfeil. Schon anhand der Markierung auf dem Pfeilschaft wurde spekuliert wer der Mörder war. So kam es dann zur Gegenüberstellung durch die Vogelgruppen die diesen Luftraum bewohnten. Es hätte sich auch sonst kein anderer Mensch getraut als eben der eingemeindete Führer aus den Händlergruppen.

Am Platz seines Todes war ein rundköpfiger Stein vorhanden an dem Köcher und Bogen gut abzustellen waren. Diesen Stein nahm man dann zum Anlass um für den Ho-mu-mir-o, wie er ab sofort nach dem eingetreten Tod genannt wurde, ein Denkmal aufzustellen. Man begann damit die Steinmetze der Stämme zu beauftragen in einer symbiotischen Gemeinschaftsarbeit sein Logo aufzubringen. Es wurden die Dreierstrichgruppen, der Vierercode und natürlich das Stammeslogo, das Kreuz der Wasserläufer vom Rhein, eingebracht.

Dieser Stein wurde täglich über die vielen hundert Jahre, welche die Gletscherkonservierung beanspruchte, täglich benutzt. Dort mussten jugendliche Stammesmitglieder aus allen Gemeinden des Umfeldes täglich Affirmationen aussenden, die der Mumie die Ehrerbietung gab, die ihm die Existenz im Eis erleichtern sollten. Heute könnten wir dieses phänomenale Geschehen etwa mit den Bestattungen in der Pyramide von Gizeh vergleichen.

Denn alle diese alten Kulturen hatten noch das gleiche Wissen der universellen Bibliotheken. Sie wussten noch genau was ein Nachtod-Erleben ausmacht. Der Stein hat auch heute noch eine direkte Aufgabe. Er liegt meistens verborgen unter Futterstreu auf einer Wiese am überweg von Nord nach Süd und von Süd nach Nord. Dieser Wanderweg wird noch heute gern genutzt und ist als Höhenspektakel bekannt geworden. Dieser Weg wurde als mögliche Wanderroute des “Mannes aus dem Eis“, so nennen ihn die Wissenschaftler, in den Medien vermarktet.

Grosszügig kann man den Platz des Steines etwa auf die Mitte des Höhenanstieges platzieren. Wer sich also die Mühe machen möchte danach zu suchen, sollte sich auch an einer Weide orientieren auf der Kühe oder manchmal ein oder zwei Pferde stehen.

Ich kann auch noch davon berichten, dass sich von alters her immer noch Frauen oder auch Jungrauen in einer gemeinsamen Liederprozession vom neuen zum alten Vent begeben. Sie kommen im Frühling und bitten in ihrer Gegenwart um Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Pflanzen. Auch diese Prozession ist auf die schwierige Zeit nach dem Tod des Ho-mu-mir-o zurück zu führen. Kinder waren in den Stämmen der wesentliche Reichtum. Nur über viele Generationen war eben eine Zukunft gesichert und damals gab es nur wenige überlebende Kinder, welche die Zukunft sichern konnten. Schon damals bat man den Mann vom Kupferberg um die Segnung des Regens oder den Segenregen, so wie sich die Zeit damals formulierte.

Schon seit Urzeiten hat es auf den Berghöhen Stellen gegeben die des Nachts im Feuerschein aufleuchteten. Diese Bergrituale hatten schon die alten Gemeinden zu Zeiten des Ho-mu-mir-o. Sie verstanden diese Rituale als Jungbrunnen. Sie gaben eben dabei alles ins Feuer was sie gern loswerden wollten. So kam auch die Mumie in den Genuss der Jungbrunnenerfahrung. Auf einem besonderen Platz, ich gehe davon aus, dass er bekannt sein dürfte, hatte die Wasserläufergruppe sein Logo markiert und zwar auf mehreren Steinen. Zusammengenommen bildeten sie einen Kreis. Hier hatten dann die Friedensrituale statt zu finden. Ritualisiert verbrannte man damals und solange wie das Begräbnis dauerte, seine Extremitäten und auch sein Drillingsauge, um seinen Körper rein und verträglich in die Zukunft zu geben.

Von diesem Spektakel war ich erst einmal nicht informiert. Sein Seelenego gab mir nur das frei, was ihm so wichtig war, seine Geburt und sein sozialer Status und natürlich auch die Qual über seinen Penis.

Ich bin mir auch mit diesem Text im Klaren, dass sich manche Person dazu Gedanken macht und es werden nicht immer die freundlichsten sein.



Renate Spieckermann-Acquah