Die Zeit der Similaunmumie



Kein noch so genaues Betrachten der mumifizierten Erinnerungen aus anderen gesellschaftlichen Verbindungen können eine lebensgenaue Beschreibung ermöglichen. Die christliche Logik hat allenfalls ein Gebet zur Hand, um diese Seelen in das Himmelreich zu bringen. Mit einer Mumie steht uns vor allen Dingen immer wieder eine besondere Herausforderung an. Sie zu betrachten ist das Eine aber auch eine Rekonstruktion seiner Lebensumstände zu erschaffen ist das Andere. Die Wirkungen dieser Zeitzeugen vermitteln dem Betrachter sogleich vorstellbare Lösungsmöglichkeiten und die daraus folgenden Rückschlüsse werden somit ein Resultat. Dieses sträfliche Verständnis hat auch der Mann aus dem Eis vom Alpenhauptkamm angezettelt. Seine Auffindung wurde so spektakulär in der öffentlichkeit verallgemeinert, dass sich auch hoch angesehene Wissenschaftler zu Aussagen bewogen gefühlt haben, die einem entsprechenden Vorstellungsgrad des persönlichen Egos entsprangen. So kam es in der öffentlichkeit zu Behauptungen, die sich im Nachhinein als makaber und abwegig erwiesen.

Der Mumienfund hat weltweit Aufsehen erregt und wurde deshalb zum spektakulären wissenschaftlichen Aufgebot ernannt. Seine Wegbereiter aus der jüngeren Steinzeit hatten alle einen anderen persönlichen Hintergrund, um ihn so zu manifestieren, wie er vorgefunden wurde. Die Streitigkeiten der unbegrenzten Höhenverschiebungen haben dem Land Tirol erhebliche Mühen und Kosten verursacht, die noch heute ein Nachspiel haben müssten. Seine Vergänglichkeit war ein Alltagsphänomen aber auch Sensation genug, um viele Markierungen zuzulassen. Wem die Mumie auch begegnete, keinen ließ sie unberührt. Vom Verstand her war es sicher unglaubhaft, dass er auch noch eine Wiedergeburt haben sollte. Das war dann noch übersetzt die Krönung aller Vorstellungen hinsichtlich seines Fundes. Seine Zeit hatte eine extraterristische Auffassung des Lebens, aber auch eine Kraftzentrierung im Alltag für Leben und Sterben. Schon kleinste Kinder wurden dazu erzogen, ihren Seelenstammbaum zu erkunden, damit sich daraus folgend eine gesellschaftliche Verwertbarkeit ergab. Ganz bewusst konnten sich Menschen auch als Opfer anbieten um dem Vorwurf, keine ausreichenden Merkmale des Egos zu haben, auszuweichen. In verschiedenen Stämmen dieser Zeit gab es deshalb Streitigkeiten, die im Alltagsgeschehen beigelegt werden mussten, damit die aufsteigenden Seelen auch bei ihren Stammesbrüdern und Schwestern verbleiben durften. Viel mehr als das, was bei der Mumie gefunden wurde, hätte man aus dieser Zeit auch nicht berichten können. Das Verständnis dafür war nicht vorhanden. Dieser allgemeine Weg, populär über mediale Berichterstattungen eine makabere Situation zu bewältigen, ist heute die beste Lösung um Konsum zu ermöglichen. Auch seine Zeit hatte einen grossen Anspruch an Konsumgüter, die sich vorwiegend auf Nahrung, Bekleidung und Wohnqualität bezog. Hauptsächlich waren aber Kupfergeräte eine besondere Herausforderung. Um Kupferilluminationen zu ermöglichen, hatten die Stämme am Rhein ein Auswanderprogramm ermöglicht. Der Kupferberg Alpen hatte es ihnen angetan. Die Menschen wurden durch Strichkombinationen auf der Haut ausgewiesen. Jeder Stamm hatte ein eigenes Logo und damit verbindliche Rechtsvorschriften und Gesetze.

Kupfer war in dieser Zeit das charismatische Verständnis eines besonders gut verträglichen Schutzes für den Stamm und seine Mitglieder. Wer Kupferbestände hatte, der hatte auch die Gewähr, ein Leben im Schutze der Engelskräfte zu absolvieren. Damals waren diese Mächte im Tagesgeschehen der Stämme noch so involviert, dass dieser Wert ein höchstes Maß an Besitz und damit Kraft erhielt.
Der Mann, der 1991 mumifiziert aufgefunden wurde, hatte den höchsten Stellenwert der Stämme zu vertreten. Er war der Mittler zwischen Erde, Mensch und Kupfer. Sein Auftrag war, dafür zu sorgen, dass das Gleichgewicht für Geben und Nehmen Bestand hatte. Die uralte Logik der Stämme war so geordnet, dass es im Inneren der Erde ein schlangenähnliches Wesen gab, das ein Gleichgewicht ermöglichte.
Die Vorbereitung für seine Mumifizierung aus seinem Tempel heraus konnte nur soweit ermöglicht werden, wie sich der Tatbestand ordnen ließ. Er wurde erschossen, damit die Stämme zur Ruhe kommen sollten und deshalb war es für die Menschen auch wichtig, ihn über Jahrtausende am Leben zu erhalten. So gesehen haben wir einen lebendigen Leichnam gefunden, der durch seinen plötzlichen Tod keinen anderen Ausweg sah, als sich unter einem Gletscher in die Ewigkeit zu bringen. Meinen Glauben daran, dass ich seine Wiedergeburt bin, habe ich nicht selbstverständlich angenommen. Ich habe selbst recherchiert und über Schulungen im In- und Ausland ein Fundament von Wissen erworben, das mich heute in die Lage versetzt, aus den universellen Bibliotheken das herauszufiltern, was zu seiner Generation gehörte. Ich bin mir dabei bewusst, dass es immer wieder Neider geben wird, die mir diese Kompetenz absprechen möchten. Das und vieles mehr wird noch zu berichten sein, wenn sich Medien nun doch noch entschließen werden, einer besonderen Begabung zuzuhören.



Renate Spieckermann-Acquah